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deutsch obersorbisch
 

Zwjazk serbskich wuměłcow z. t.
Sorbischer Künstlerbund e. V.

Zum “Gesamtkonzept zur Förderung
der sorbischen Sprache und Kultur”

Der Sorbische Künstlerbund e. V. hat sich auf seiner Vorstands-Sitzung am 3. 12. 2009 mit dem “Gesamtkonzept zur Förderung der sorbischen Sprache und Kultur” auseinandergesetzt, welches die Stiftung für das sorbische Volk gegen die Stimmen der sorbischen Vertreter im Stiftungsrat im Jahre 2008 in Auftrag gegeben hat. Das Gesamtkonzept wurde am Institut für kulturelle Infrastruktur in Görlitz erarbeitet.

Angesichts der Tatsache, dass das Konzept 467.425,94 Euro an Kosten aus öffentlichen Haushalten verursacht hat (wovon die sorbische Stiftung fast 200.000 Euro übernehmen wird), beurteilt der Künstlerbund das Ergebnis des Gutachtens als eher dürftig. In ihm dominieren mehr Meinungen als fundierte Analysen und Empfehlungen, die das gewachsene System sorbischer Kultur- und Wissenschaftsinstitute - allesamt Unikate der deutsch-sorbischen Lausitz - auseinander reißen. In mehreren Vorschlägen sind zudem keine Konsolidierungseffekte zu erkennen, z. B. beim Umbau des Sorbischen Institutes oder im Zusammenhang mit der Gründung der Brězan - Institute. Es werden funktionierende und nachhaltig wirkende sorbischsprachige Angebote zugunsten von nicht ausgereiften Produkten geopfert. So soll die Tageszeitung Serbske Nowiny zugunsten u.a. eines 24 - Stunden Internet-Radios auf eine Wochenzeitung umgestellt werden. Irreal und uneffektiv sind die Vorschläge zur Produktion von sorbischen Theaterinszenierungen an zwei Theatern der Lausitz (Bautzen und Cottbus).

Dennoch ist der SKB der Meinung, dass sich in den Gutachten und Empfehlungen viele ernste Fragen und Perspektiven zeigen, die es zu diskutieren gilt.
Insbesondere teilen wir die Auffassung der Gutachter,

  • das im sorbischen und deutsch-sorbischen Fördersystem “eine übergreifende Strategie, die sowohl die sorbische Kultur wie die sorbische Sprachpflege einbegreifen würde, nicht zu erkennen ist”;
  • dass in diesem System zuviel Mittelmäßigkeit “prämiert”, Kreativität blockiert und das “Nachwachsen einer Funktionselite” bzw. die beständige und eigenverantwortliche Erneuerung in und aus den Institutionen und Vereinen heraus behindert wird;
  • dass das derzeitige Förder- und Entscheidungssystem weitgehend undurchsichtig und unflexibel wirkt und von “Clan-Strukturen”, politischem Lobbyismus und Befangenheit dominiert wird;
  • dass die Neuen Medien in den sorbischen Institutionen, aber auch im MDR und RBB, für die Weiterentwicklung einer modernen Kommunikation unter sorbischen und zweisprachigen Jugendlichen zu wenig eingesetzt werden; dadurch greift die Verständigung zwischen Sorben und Deutschen überhaupt zu kurz;
  • dass das sorbische Volk “die bundesdeutsche Volkswirtschaft nicht zu Zusatzausgaben nötigt”, sondern “mit erheblichen Mehrleistungen zum Sozial- und Staatssystem” beiträgt;
    - dass „die Sorben mit dem deutschen Staat auf Augenhöhe verhandeln sollen”;
    - dass “in Sachsen und Brandenburg Staat und Kommunen gleichermaßen zur aktiven Förderung der sorbischen Kultur aufgerufen sind”, weil das von den Verfassungen und Gesetzen beider Länder gefordert wird;
    - dass die “sorbische Zivilgesellschaft” im Zentrum aller Bemühungen bei der Förderung stehen muss und diese Zivilgesellschaft einer neuen Rechtsform der Selbstverwaltung bedarf.

In diesem Sinne begrüßen wir insbesondere die Vorschläge der Gutachter

- zum Abbau und Umbau der Verwaltungsdoppelstrukturen in Stiftung und Domowina;
- zur nachhaltigen Senkung des Personalkostenanteils an der Gesamtzuwendung für die Stiftung zugunsten von Projektförderung;
- die Umwandlung der Domowina e. V. in eine demokratisch gewählte “Domowina Körperschaft des öffentlichen Rechts”, wie es Prof. Dr. Peter Pernthaler in einem Gutachten im Gesamtkonzept überzeugend zum Ausdruck bringt; dabei ist der Künstlerbund gegenüber anderen Modellen der Volksvertretung und Selbstverwaltung offen (“ungarisches Modell”);
- zur Budgethoheit der neuen Domowina bei der Förderung sorbischer und deutsch-sorbischer Kulturinstitute und eventuell auch Bildungseinrichtungen sowie zur Förderung von Projekten in den Bereichen Kultur und Bildung;
- zu einer mittelfristig verstärkten finanziellen Ausstattung sorbischer Einrichtungen und Projektträger durch die öffentliche Hand;
- zu Leistungsvereinbarungen über die zu fördernden Einrichtungen und Projektvorhaben;
- zur institutionellen Förderung der Geschäftsstellen des Sorbischen Künstlerbundes, der Maćica und Maśica Serbska, des Sorbischen Schulvereins und von weiteren (künftigen) Trägern von Einrichtungen und Projekten;
- zur Neuordnung der Trägerschaften und Gesellschafteranteile von sorbischen Einrichtungen; der SKB selbst ist bereit, eine entsprechende Verantwortung im System einer verstärkten Selbstverwaltung der sorbischen Zivilgesellschaft zu übernehmen, sobald eine ausreichende institutionelle Förderung des SKB gewährleistet ist;

Zu den weiteren Vorschlägen und Perspektiven sorbischer Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen positioniert sich der SKB wie folgt:
Generell befürwortet der SKB eine intensivere Unterstützung der Jugend, junger Talente und Absolventen im gesamten institutionellen und freien Förderbereich. Kreatives und innovatives Potentials muss gezielter entdeckt und genutzt werden. Eine stärkere Verknüpfung von Verwaltungs- und Vertriebsstrukturen sowie von Archiven, Daten- und Mediatheken sorbischer Einrichtungen ist erforderlich.

1. SKI und Lodka
- die beiden Zweigstellen der Stiftung sollten in die Domowina - Verlags GmbH und die sorbischen Museen eingegliedert werden;

2. Immobilienverwaltung Stiftung
- sollte in die neue demokratische Domowina übergehen;

3. SNE
- sollte als eigenständige Institution (Sorbische Bühne für Tanz und Musik) erhalten und ausgebaut werden;
- die Einrichtung sollte verstärkt und beständig vielfältige regionale Produktionen anbieten; dazu sind regelmäßig bühnenkünstlerische Höhepunkte zu inszenieren, in denen große Traditionen der sorbischen Tanz- und Musikkultur gepflegt, aber auch moderne Entwicklungen vorangetrieben werden;
- es soll ein zweckgebundener Fond für neue Musik geschaffen werden;
- die Vorhaben sollten intensiver in Kooperation mit vielen Partnern in der Lausitz, Polen und Tschechien realisiert und angeboten werden;
- die Anleitung von Laiengruppen in der Ober- und Niederlausitz vornehmlich auch im Kinder- und Jugend- sowie Nachwuchsbereich soll verstärkt werden;
- eine enge Zusammenarbeit mit dem SKB und weiteren Vereinen (Bund sorbischer Gesangsvereine, Sorbischer Schulverein, Pawk usw.) sowie mit regionalen und überregionalen Tourismusunternehmen müssen zur Normalität werden;

4. DSVTh
- soll in seiner Eigenständigkeit erhalten bleiben
- stärkere Angebote von sorbischen und deutschen Inszenierungen, szenischen Lesungen mit sorbischer bzw. deutsch-sorbischer Thematik (vor allem regional und überregional in Sachsen und Brandenburg);
- das interkulturelle Potential des DSVTh muss verstärkt angeboten und in der
deutsch - sorbischen Lausitz verankert werden;

5. Domowina-Verlag GmhH
- soll sich als eigenständige Institution, geteilt in einen Buch- und einen Zeitungsbereich, weiter entwickeln;
- der Umbau zu crossmedialen Leitungs- und Produktionssystemen sollte gefördert werden;
- qualitativer und quantitativer Ausbau der derzeitigen Printmedienprodukte (insbesondere auch der Tages- und Wochenzeitung) ist unumgänglich;
- Produktausbau im Bereich der Neuen Medien insbesondere von aktuellen multimedialen Angeboten für Jugendliche und einer aktuellen und attraktiven sorbischen und mehrsprachigen Internetzeitung muss vorangetrieben werden;
- Das Schulbuchlektorat sollte wieder dem Verlag angegliedert werden.

6. WITAJ-Sprachzentrum
- Die Tätigkeit sollte effektiver werden;
- eine Übernahme der Einrichtung durch den Sorbischen Schulverein sollte schnellstens in Angriff genommen werden;

7. Sorbisches Institut
- sollte in seiner Substanz und mit seinen Profilen erhalten bleiben und weiterentwickelt werden;
- stärkere Kooperation mit Uni Leipzig und Dresden ist notwendig;
- die Umwandlung von Verwaltung- in Wissenschaftspersonal wird befürwortet;

8. Sorbisches Museum Bautzen und Wendisches Museum Cottbus
- Umbau in einen Verbund “Sorbische Museen”, wobei jede Einrichtung weitgehend eigenständig bleibt;
- verstärkte multimediale Präsenz muss realisiert werden;
- Ausbau der Museumspädagogik ist dringend erforderlich;

Benedikt Dyrlich Detlef Kobjela
Vorsitzender stellv. Vorsitzender

Bautzen, den 3.12.2009

Von der Mitgliederversammlung des SKB am 04.03.2010 wurde die Position noch einmal ausführlich diskutiert und mit 31 Stimmen beschlossen (eine Stimmenthaltung). Am 22.02.2010 hatten etwa 60 Interessenten im Bautzener Burgtheater während eines öffentlichen Forums zu dem Positionspapier des SKB eine weitgehend positive Stellung bezogen.

 3.0 2010   Es sind 2 User online